AVANTEC Know-how
Pragmatischer Einstieg in die PKI

Public
Key Infrastructure (PKI) Projekte für den Einsatz von digitalen
Zertifikaten sind umstritten. Ja, sie versetzen IT-Verantwortliche -
zusammen mit dem CFO - manchmal geradezu in eine massive Abwehrhaltung.
Sie seien zu komplex und ohne direkte Wertschöpfung, zumindest ist der
Nutzen einer PKI als reine Infrastruktur-Investition und ohne klare
Anwendungen oft nicht messbar. Und trotzdem ist die PKI bei vielen
Unternehmen bereits im Hause, quasi durch die Hintertür angekommen. Zum
Beispiel mit Windows Server 2003 stehen die standardmässig eingebauten
Zertifikatsdienste bereits zur Verfügung. Oder beim sicheren
Remote-Access per Client-VPN und einem USB-Token funktioniert die
sichere Authentisierung auf Basis von Zertifikaten und den zugehörigen
Schlüsseln. Jetzt müssen im Unternehmen neue Sicherheitsmassnahmen
implementiert werden, welche nach der Verwendung von Zertifikaten
verlangen. Was tun? Die PKI weiter aufschieben oder sich in ein
umfassendes und teures PKI-Projekt stürzen? Wir möchten Ihnen im
Folgenden den - wie wir finden - goldenen und pragmatischen Mittelweg
aufzeigen: Die Nutzung der bereits vorhandenen PKI-Ressourcen zur
raschen und effizienten Lösung anstehender Aufgaben. Wir betrachten im
Folgenden ein fiktives Projekt, die aufgezeigten Erfahrungen entstammen
aber durchaus dem realen IT-Leben.
Das Wünschenswerte und das Machbare
Unser
Beispiel-Unternehmen hat vor einiger Zeit ein dickes Konzept zum Thema
PKI-Einführung erstellen lassen. Alle Fachabteilungen, der
Security-Officer und das Management haben ihre Anforderungen
einfliessen lassen, viele gewünschte und auch zukünftige Anwendungen
sind beschrieben worden. Nach einer aufwändigen Ausschreibung werden
die zu erwartenden Kosten und Nutzen analysiert. Weil diese in keinem
gesunden Verhältnis stehen, wird das Projekt enttäuscht abgeblasen. Das
PKI-Konzept ruht seither in einer der dunklen unteren Schubladen des
Projektarchivs.
Heute
muss sich das Unternehmen aus konkretem Anlass aber wieder mit dem
Einsatz von Zertifikaten befassen. Die Netzwerkabteilung muss die
Zugangspunkte ihrer neuen drahtlosen Netzwerkumgebung (WLAN) sichern,
und das geht am besten mit Zertifikaten. Die IT-Revision meldet das
dringende Bedürfnis, den Zugriff auf die mächtigen
System-Administratoren Accounts mit einer Zwei-Faktor Authentisierung
zu sichern, die Vertraulichkeit der Kundendaten erfordert dies nun
explizit. Aus dem gleichen Grund ist auch die Verschlüsselung der
heiklen Daten auf den internen File-Servern angezeigt.
Jetzt
sind Lösungen gefragt: Soll das grosse PKI Projekt reanimiert werden,
oder ist allenfalls doch ein schrittweiser pragmatischer Einstieg zur
Nutzung der Zertifikate möglich? Im Wissen der vorhandenen
Möglichkeiten lässt man ein spezifisches Angebot für die Lösung der
dringlichen Anforderungen auf Basis der bestehenden Windows Server 2003
Umgebung erstellen.
Aber
wie steht es mit dem Investitionsschutz und der Ausbaubarkeit bei
diesem pragmatischen Vorgehen, fragt die Geschäftsleitung? Die
abschliessende Beantwortung dieser Frage verweist wieder auf das grosse
PKI-Konzept und ist ausserdem abhängig von zukünftigen Unwägbarkeiten.
In einem Befreiungsschlag erwirkt die IT-Leitung jetzt die Umsetzung
der angebotenen Sofort-Massnahmen, denn die Begründung überzeugt:
-
Der Nutzen der konkreten Zertifikatsanwendungen der ersten Phase rechtfertigt die Kosten.
-
Die Ausbaubarkeit ist in einem vernünftigen Masse gegeben, ohne alle Eventualitäten zu berücksichtigen.
-
Die Anwendungen der ersten Phase sind erprobt und mit einem vernünftigen Aufwand zu betreiben.
-
Der Einstieg in zertifikatsbasierte Anwendungen schafft wichtiges Know-how für zukünftige Aufgaben.
PKI mit Windows Server 2003 realisieren
Das
Projekt wird gestartet, mit einem überraschend kleinen und vernünftigen
Budget! Zuerst wird die einfache PKI-Architektur auf Basis der
Certificate Services von Windows Server 2003 realisiert, dies sind die
wichtigsten Schritte:
Am bestehenden Active Directory (AD) auf Basis von Windows Server 2003 muss nichts modifiziert werden.
-
Die PKI wird als zweistufige Hierarchie mit Root CA und Issuing CA erstellt.
-
Die
Root CA schliesst auch die Policy CA mit ein, da keine organisatorische
oder politische Trennung der CA Hierarchie vorgesehen ist. Sie wird nur
zur Erstellung und zum Zurückziehen von CA Zertifikaten und zur
Aktualisierung der Certificate Revocation List (CRL) benötigt. Nur für
diese Aktionen wird die Root CA online geschalten. Zum erweiterten
Schutz wird die komplette Festplatte der Root CA verschlüsselt.
-
Die
Issuing CA wird als Online CA in das Active Directory integriert. Das
gewährleistet einen automatischen Roll-out der Client-Zertifikate und
reduziert den Verwaltungsaufwand. Der Server wird gehärtet und
hochverfügbar konfiguriert.
-
Zum
Schutz des CA Zertifikats und der wichtigen Private Keys der Issuing CA
werden diese in einem externen Hardware Security Module (HSM, z.B.
Eracom Protect Server Orange) abgelegt. Diese Appliance stellt dann
über das Netzwerk die kryptografischen Dienste allen internen
Zertifikatsanwendungen zentral zur Verfügung. Die Sicherheit des HSM
ist durch seine FIPS 140-2 Level 3 Zertifizierung gewährleistet, das
ist ein wichtiger Punkt auch für die IT-Revision.
-
Zum
manuellen Erstellen der Zertifikate wird eine Enrollment Workstation
vorbereitet. Der kritische Private Key und das Zertifikat für den
Enrollment Agent werden aus Sicherheitsgründen auf einem USB-Token
(oder Smartcard) gespeichert. Der Einsatz eines Token Management
Systems ist in der ersten PKI Ausbauphase noch nicht notwendig.
Die ersten Anwendungen aufschalten
Die
Zertifikats-Dienste in unserem Beispiel-Unternehmen sind nun also live
und können den Anwendungen zur Verfügung gestellt werden:
-
Zur
Authentisierung für das WLAN Segment werden die benötigten Zertifikate
für die Arbeitsplatz-Rechner ausgestellt. Die zugehörigen Profile sind
in den Standard Templates der Issuing CA vorbereitet und das Roll-out
wird per Group Object Policies (GPO) im Active Directory definiert.
-
Die
Zertifikate für die Administratoren werden manuell erstellt und
persönlich übergeben. Für die Speicherung und eine sichere
Zwei-Faktor-Authentisierung werden die bestehenden USB-Token (z.B.
Aladdin eToken) eingesetzt. Über die Windows User-Verwaltung wird diese
starke Authentisierung für alle Administratoren erzwungen.
-
Für
die File-Verschlüsselung kritischer Datenbereiche im LAN wird ein
entsprechendes PKI-fähiges Produkt eingesetzt (z.B. Eracom ProtectFile
Premium). Der Zugriff wird mit der zertifikatsbasierten Authentisierung
über das USB-Token maximal geschützt. Die User/Gruppen-Berechtigungen
werden bequem über die Windows-Domäne verwaltet.
Ausblick und Schlussfolgerungen
Wie geht es nun weiter? Folgende weitere Szenarien werden in unserem Beispiel-Unternehmen diskutiert und vorbereitet:
-
Die
Erweiterung der PKI-Dienste auf weitere eigenständige
Organisationseinheiten (z.B. Ländergesellschaften) wird notwendig. Dies
ist einfach möglich in Form von weiteren parallelen Issuing CAs unter
der bestehenden Root CA.
-
Als
weitere interne Sicherheitsmassnahme wird die Abgabe eine USB-Tokens
oder einer Smartcard an alle Mitarbeiter erwogen. Zusammen mit Windows
Secure Domain Logon lässt sich so einfach die Sicherung von
unbeaufsichtigten Arbeitsplätzen realisieren. Ausserdem kann
schrittweise die starke Authentisierung für kritische interne
Applikationen eingeführt werden.
Die
PKI-Basis wurde also erfolgreich gelegt, die ersten Anwendungen
erfolgreich eingeführt. Die Investitionen waren relativ gering, da nur
wenig Server-Hardware und einige ergänzende Security-Produkte beschafft
werden mussten. Der externe Dienstleistungsaufwand für die
Detailspezifikation und die gemeinsame Umsetzung war mit drei
Personenwochen vernünftig. Und das grosse PKI-Konzept harrt weiter in
seiner Schublade.
AVANTEC
berät Sie gerne für einen auf Ihr Unternehmen massgeschneiderten
Vorschlag für die erfolgreiche Einführung von zertifikatsbasierten
Anwendungen.
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